3. kleine-lichter-sebastian-schlecht
Erzählung, Texte

Kleine Lichter

Perfekt. Alles ist perfekt. Wo wir gerade sind, ist einer der Orte, an denen sich das Gefüge von Zeit und Raum auflöst, wo die Gravitation aufhört Materie an die Erde zu binden. Hier, wo wir gerade sind, ist das perfekte Jetzt.

Nachdem uns eine kleine Taschenlampe mit ihrem schwachen Licht durch die Dunkelheit des Waldes geführt hat, sitzen wir nun in der Kühle einer Spätsommernacht im feuchten Sand auf unseren Jeansjacken und schauen auf die bebende Oberfläche des vor uns ausgebreiteten Meeres. Allein das Licht der Sterne, die sich wie eine geknüpfte Decke über den gewölbten Himmel biegen, bringt den Strand zum Leuchten. In Campingbechern aus buntem Plastik, ein Gemisch aus Cola und billigem Rum, das wir zuvor an der Tankstelle des kleinen Küstenortes gekauft haben. In Neonlicht getaucht befüllten wir den Tank des alten Kombis, der uns dem Tag der Stadt entrissen hat, um uns schon bald an den nächtlichen Strand zu entlassen, während Karla auf dem Rücksitz schlief. Für einen kurzen Moment fühlten wir uns wie die jungen Helden eines Films aus den 90ern, für immer auf flimmernde Magnetbänder gepresst. Jetzt rinnt die Wärme des Rums unsere Kehlen hinunter und verdünnt unser Blut, das rhythmisch durch unsere Körper pumpt. Langsam verschwimmen die Bilder vor unseren Augen und werden zu pulsierenden Piktografien eines längst begrabenen Teenagertraums. Karla schlägt Räder auf dem kalten Sand, bis sie schließlich in der Dunkelheit verschwindet und nur noch ihr betrunkenes Glucksen aus der Ferne zu hören ist.

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Lyric, Texte

Hashtag Liebe

Erblindet von den süßen Phrasen
die wir achtlos um uns werfen
die durch kühle Schädel rasen
bis sie uns den Kopf verdrehen

Die nächste große Euphorie
lauert in den Kranzgefäßen
so ausgehungert wie noch nie
als sie der Balz zum Opfer fällt

Wunden die nie wieder heilen
im rot gefärbten Muskelfleisch
durchbohrt von giftgetränkten Pfeilen
der kleine Mord bleibt unerkannt

Denn im Süden entflammt ein loderndes Feuer
von Norden herkommend ein elektrischer Impuls
Entblößter Sturz ins Abenteuer
Sprachlos erwacht in fremdem Schweiß

Wartend auf Unendlichkeit
kolorieren wir eifrig Ideale
Doch die gnadengslos verblasste Zeit
erfüllt uns mit Ernüchterung

Das Salz von meinem Augenpaar
Fällt auf vernarbte Haut hinab
denn da wo einst die Liebe war
ist bald ein neuer Traum erwacht

Video

Hashtag Liebe

Text: Sebastian Schlecht | Inszenierung: Nora Huetz | Musik: Mara Riedle

schmutzige-haende-sebastian-schlecht
Lyric, Texte

Schmutzige Hände

Dein Kuss ist es auf den ich warte
Der mich in dunkler Hoffnung wiegt
Die Räumlichkeit hier zu verlassen
Wenn er für mich die Zeit besiegt

 Nun wart’ ich schon endliche Stunden
In juckenden Adern ein wacher Geist
Die Zweifel flüstern aus der Ferne
Das du mir heute nicht den Dienst erweißt

So bleibt mir nichts als dich zu zwingen
Was meine ganze Courage verlangt
Zerrissenes Fleisch, die letzte Hürde
Auf deine Ankunft warte ich gespannt

Ein schlagender Puls verströmt das Leben
Das dich mit süßem Duft umgarnt
Den feigen Lockruf des frischen Blutes
Ihn hast du nur zu leicht enttarnt

Jetzt wickeln Fremde meine Wunden
Mit Druck auf fahle Haut gepresst
So warte ich, den Feind im Leibe
Bis du mich einst entschwinden lässt

4. faktor-fuenf-sebastian-schlecht
Texte

Faktor Fünf

Die Zeit heilt also alle Wunden. Irgendwie will man nicht so recht daran glauben, zumindest so lange nicht, bis die Wunden verheilt sind und nur noch Narben zurück bleiben. Wie lange es dauert, bis sie verheilt sind, ist relativ. Die Zeit ist relativ. Die Wunden heilen also relativ, zeitlich gesehen, relativ schnell. Oder eben auch langsam. Aber eben relativ. Continue Reading